Privatkredite im Netz immer beliebter
Die Finanzkrise und die Unsicherheit, die sich dabei vom Staat ausgehend auf den Bundesbürger überträgt, hat eines zur Folge: Das Vertrauen in die Banken und in die Wirtschaft im Allgemeinen ist schwindend. In den Weiten des World Wide Web ziehen neue Plattformen ihre Kreise, auf denen sich Verbraucher von privaten Menschen Geld leihen. Auf der Seite desjenigen, der sich einen Privatkredit besorgt, scheint die Intention nachvollziehbar: Der Verbraucher benötigt Geld, die Banken geben keines heraus. Aber wie sieht der Gedankengang desjenigen aus, der sein Privatvermögen an fremde Menschen aus dem Internet verleiht? Man könnte sich vorstellen, dass diese ihr Geld besser angelegt sehen, wenn sie es mit einem rentablen Zinssatz privat verleihen, als es in riskante Bankgeschäfte zu investieren. Kann so die Lösung aussehen?
Sicherlich nicht, hat dieses Vorgehen doch zur Folge, dass die ohnehin schon Verluste schreibenden Banken noch weniger einnehmen, wenn diese Art, sich Geld zu leihen, Schule macht. Dennoch scheint das Geschäft mit den ‚Krediten von Mensch zu Mensch’, wie geworben wird, voranzugehen. Seit 2007 wurden online 6,4 Millionen Euro vermittelt; über 1.000 Bundesbürger nahmen diese Dienstleistung in Anspruch.
Die Mischung aus oben erwähnter Misere – Kapitalanleger wollen ihr Geld nicht in unsichere Hände geben und Kreditnehmer bekommen von der Bank kein Geld – macht diese Möglichkeit so erfolgreich. Insbesondere jene, die sich aus der Arbeitslosigkeit mit dem Start in die Selbstständigkeit befreien wollen, sind oft auf liquide Mittel angewiesen, werden aber nur zu gerne von Kreditinstituten abgewiesen. Auch die hohen Zinsen, die die Banken verlangen, sind ein Punkt, der das private Geld leihen so attraktiv werden lässt.
Die Vermittlungsbörsen unterteilen nach Bonität und auch hier gilt das Gesetz der Marktwirtschaft: Steigt die Nachfrage, sinken die Zinsen. Sind Geldgeber knapp, steigen die Zinsen. England hat es 2005 vorgemacht, die USA, Japan und Italien sowie die Bundesrepublik, die Niederlande und Dänemark sind schon Nachzügler dieses Systems. Eines wird deutlich, betrachtet man sich die steigende Zahl derjenigen, die solche Plattformen nutzen: Die Politik muss es schaffen, das Vertrauen der Verbraucher wieder auf die Banken und Geldgeber zu lenken. Andernfalls können die Banken ihrer Krise kaum entkommen, weil die Einnahmen gänzlich wegbrechen.
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